Seit zehn Jahren gibt es die Jugendberatungsstelle im Südkreis, deren Büro sich in Kreuzau befindet. Psychologische und pädagogische Fachkräfte sind als Casemanager*innen und Streetworker*innen im gesamten Südkreis unterwegs und bieten jungen Menschen Unterstützung, Beratung und vor allem eines: ein offenes Ohr.
Hier steht die Tür offen für Jugendliche und junge Erwachsene, die einen schweren Rucksack voller Sorgen und Probleme mit sich tragen. Was genau darin steckt, hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert. Geblieben ist aber der Bedarf an verlässlicher Unterstützung und die Notwendigkeit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Zu Beginn standen häufig Fragen rund um den Übergang von der Schule in das Berufsleben im Mittelpunkt: Was mache ich nach der Schule? Wie finde ich einen Ausbildungsplatz? Diese Themen beschäftigen junge Menschen auch heute noch. Doch inzwischen sind die Anliegen oft vielfältiger und komplexer.
Schulden, drohende Wohnungslosigkeit, psychische Belastungen oder Schwierigkeiten innerhalb der Familie und vieles mehr gehören mittlerweile zu den Themen, mit denen junge Menschen in die Beratungsstelle kommen. Oft kommen mehrere Probleme gleichzeitig zusammen. Auch die wirtschaftlich angespannte Situation trifft die jungen Menschen. Wer keinen Ausbildungsplatz findet und keine ausreichende finanzielle Unterstützung erhält, kann schnell das Gefühl bekommen, allein gelassen zu werden. In einigen Fällen fehlt es sogar an den vermeintlich einfachsten Dingen wie ausreichend Essen oder Produkte des täglichen Hygiene- und Pflegebedarfs. Auch hier kann die Jugendberatungsstelle konkret und unbürokratisch helfen und Lebensmittel oder Hygieneartikel als Notfallhilfe ausgeben. Denn Beratung beginnt manchmal nicht mit einem Antrag oder einem intensiven Gespräch.
Über die zehn Jahre hinweg wurde ein vielfältiges Netzwerk aufgebaut. Die Zusammenarbeit mit Schulen, dem Kreisjugendamt Düren, der Gemeinde Kreuzau, der job-com Kreis Düren und weiteren Einrichtungen ist ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit. Durch kurze Wege und gegenseitige Unterstützung können passende Unterstützungsangebote gefunden werden. Dies erfolgt nicht immer in der klassischen Beratung, sondern beispielweise beim Frühstück in lockerer Atmosphäre mit der Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der job-com und den jungen Menschen.
Teilhabe und Demokratiebildung sind wichtige Aspekte der Beratungen. Deshalb beteiligt sich die Jugendberatungsstelle an Aktionen wie „JA – Jung trifft Alt“ organisiert vom Generationenforum der Gemeinde. Hier steht gesellschaftliches Miteinander im Mittelpunkt bei dem sich verschiedene Generationen treffen, um beispielsweise Plätzchen zu backen oder zu Rock ‘n‘ Roll zu tanzen. Dieses besondere Engagement wurde sogar mit einer bundesweiten Auszeichnung geehrt.
Das Wichtigste bei der Arbeit ist – aktiv dranbleiben! Es geht in der Beratungsstelle nicht darum, fertige Lösungen vorzugeben, es geht darum, die jungen Menschen ernst zu nehmen und sie auf ihrem Weg zu begleiten und sie dabei zu unterstützen, ihre eigenen Möglichkeiten und Perspektiven zu entwickeln. Manche Probleme lassen sich nicht innerhalb weniger Tage lösen, die Fachkräfte bleiben deshalb im Kontakt, hören zu und gehen die nächsten Schritte mit den jungen Menschen.
Zehn Jahre Jugendberatungsstelle Südkreis bedeutet auch zehn Jahre kontinuierliche Jugendsozialarbeit. Die Themen haben sich verändert, der Auftrag ist geblieben: jungen Menschen nicht allein zu lassen, wenn der Rucksack zu schwer wird. Die Jungendberatungsstelle ist längst ein fester Bestandteil
im Unterstützungsnetzwerk im Kreis Düren geworden. Sie verbindet Beratung, konkrete Hilfe, Begegnung und Beteiligung – und bleibt auch dann dran, wenn der Weg einmal länger wird.

Von links nach rechts: Karina Siebertz (Geschäftsführerin Sozialwerk Dürener Christen e.V.), Manuela Junker (Streetworkerin Sozialwerk Dürener Christen), Kathrin Sartorius (Amt für Kinder, Jugend und Familie Kreis Düren), Sigrid Wilwers (Casemanagerin Sozialwerk Dürener Christen e.V.), Jana Henning (Streetworkerin Sozialwerk Dürener Christen), Dr. Ralf Nolten (Landrat Kreis Düren).
Das Projekt Jugendberatungsstelle Südkreis wird im Rahmen des Programms „JUGEND STÄRKEN: Brü- cken in die Eigenständigkeit“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert. Darüber hinaus wird das Projekt durch den Kreis Düren finanziell unterstützt.
