Lobbyist und Fürsprecher der jungen Menschen

Professor Dr. Kurt Schroeder ist erster Ehrenvorsitzendes des Sozialwerks Dürener Christen. Stephan Johnen neuer Vorsitzender.

Lobbyist und Fürsprecher der jungen Menschen
Professor Dr. Kurt Schroeder (links) ist erster Ehrenvorsitzender des Sozialwerks Dürener Christen. Das Kuratorium wähle Stephan Johnen zu seinem Nachfolger als Vorsitzender. Foto: Sozialwerk

Düren. In den vergangenen 40 Jahren ist eine Menge geschehen, hat sich die Welt zum Teil massiv gewandelt. Nicht immer zum Guten. Umso besser für das Sozialwerk Dürener Christen, dass mit Professor Dr. Kurt Schroeder beinahe vier Jahrzehnte lange eine Persönlichkeit an der Spitze des Vorstands steht, die die Geschicke des Vereins lenkte, wie kein anderer für Kontinuität steht und aus den kleinen Anfängen 1985 bis heute das Sozialwerk zu einem wichtigen Partner von Politik, Wirtschaft, Schulen und – vor allem! – jungen Menschen in der Region machte. Auch wenn der langjährige Vorsitzende bei den letzten Vorstandswahlen auf eine erneute Kandidatur verzichtete und das Kuratorium den Dürener Journalisten Stephan Johnen (41) zum Nachfolger wählte, bleibt der 80-jährige Kurt Schroeder dem Vorstand und dem Sozialwerk für die Zukunft erhalten: als erster Ehrenvorsitzender in der Geschichte des Vereins.

„Nicht zuschauen und klagen, sondern gestalten und konkrete Hilfe organisieren!“ – Mit dieser Einstellung startete das Sozialwerk 1985 während der zweiten Ölkrise als soziale Initiative der Innenstadt Pfarren. „Wir waren eine Zusammenfassung kirchlicher und gesellschaftlicher Initiativen und Aktivitäten, alle Vorstandsmitglieder hatten Kontakt zu Jugendlichen, deren beruflicher Lebenslauf nicht glatt war“, blickt Kurt Schroeder zurück auf eine Zeit mit extremer Arbeits- und vor allem Jugendarbeitslosigkeit. Anders als heute ging es damals weniger darum, dass jungen Menschen die Voraussetzung für eine Ausbildung fehlte – es mangelte schlichtweg an Ausbildungsplätzen. Ein gesellschaftlicher Skandal, doch Unterstützungsangebote für junge Erwachsene gab es kaum bis gar nicht. „Jugendliche hatten keine Fürsprecher“, bringt es der Ehrenvorsitzende auf den Punkt.

Heute hat das Sozialwerk Dürener Christen über 120 pädagogische, psychologische und sozialpflegerische Fachkräfte sowie Werkanleiter. Das Sozialwerk ist ein anerkannter Träger der Jugendberufshilfe und Jugendhilfe. Nach wie vor kümmert sich der Verein um den erfolgreichen Übergang junger Menschen von der Schule in den Beruf, es betreibt eigene überbetriebliche Ausbildungswerkstätten, ist in der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung tätig. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen junge Menschen mit vielfältigen Angeboten bei der Lebensbewältigung, Berufsfindung und Ausbildungs- und Arbeitssuche. In den vergangenen Jahren entwickelten sich neben vielfältigen Angeboten der Jugendberufshilfe aus den ambulanten Angeboten für Menschen in Düren und Umgebung die heutige Pflegestation Mobilé und das ambulant betreute Wohnen für Menschen mit psychischen Behinderungen. Menschen vom Rand zurück in die Mitte der Gesellschaft holen – auch das ist seit beinahe 40 Jahren ein Leitmotiv der Arbeit.

„Damals herrschte Aufbruchsstimmung. Wir haben vieles ausprobiert, gute Kontakte zu allen gesellschaftlichen Gruppen geknüpft“, blickt Dr. Kurt Schroeder zurück. Die Gründung der eigenen Jugendwerkstatt, in der später Jugendliche überbetrieblich ausgebildet wurden, war Pionierarbeit. „Wir haben Fakten geschaffen, Dinge ausprobiert. Ohne zu wissen, ob wir dafür Geld aus einem Fördertopf bekommen“, sagt Schroeder schmunzelnd. Manche Idee erwies sich als tragfähig, manchmal wurde auch Lehrgeld bezahlt. Besonders in den ersten Jahren war der Vorstand operativ stark eingebunden. Nach und nach wuchs das Sozialwerk, wurde der erste Geschäftsführer bestellt. „Die wachsenden Aufgaben haben zu einer Professionalisierung der Arbeit geführt“, sagt Schroeder.

Die Projekte und Unterstützungsangebote halfen und helfen jungen Menschen, wieder Fuß zu fassen, einen Fuß in die Tür der Arbeitswelt zu bekommen, ihr Leben zu meistern. „Als Lobbyist und Fürsprecher der jungen Menschen hat sich das Sozialwerk Respekt erarbeitet“, ist der Ehrenvorsitzende stolz darauf, dass der Verein viel Unterstützung auch aus der Wirtschaft und der Bürgerschaft erhält. Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Kurt Schroeder 2009 ist stellvertretend für alle Mitstreiter und Wegbegleiter auch eine nach außen sichtbare Form der Anerkennung. „Dr. Kurt Schroeder hinterlässt Fußabdrücke, die viel zu groß für uns alle sind“, freuen sich Stephan Johnen und der gesamte Vorstand, dass Kurt Schroeder sie und das Sozialwerk weiter begleiten wird.

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5. Mai 2022